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Vor etwa 6.000 Jahren...

...wurde das Gebiet der heutigen Oststadt vermutlich bereits von Menschen besiedelt. Steinwerkzeuge, die auf etwa 4000 v. Chr. datiert werden und im Bereich des Raschplatzes sowie des Volgerswegs gefunden wurden, sind im Landesmuseum ausgestellt.

Allerdings gab es bis Ende des 19. Jahrhunderts keine geschlossene dörfliche oder städtische Bebauung im Gebiet der heutigen Oststadt. Die Fluren Bütersworth und Ostwende, die gemeinsam mit einem Teil der Flur Fernrode heute die Oststadt bilden, waren landwirtschaftliche Flächen im Eigentum vermögender hannoverscher Familien. Hieran erinnert z.B. heute der Volgersweg, der über den ehemaligen Grundbesitz der Ratsfamilie Volger verläuft.

Besiedelt wurden Bütersworth und Ostwende von Gartenpächtern und Kleinbauern, die auf gepachteten kleineren Grundstücken Gemüse und Obst anbauten, Milchvieh züchteten und mit ihren Erzeugnissen die Städter im nahe gelegenen Hannover belieferten.

Im Jahr 1829 schlossen sich Ostwende, Bütersworth und Fernrode mit Königsworth, Nordfeld, Schloßwende und Westwende zur Steintor-Gartengemeinde zusammen. Im Jahr 1843 vereinigten sich die Steintor-Gartengemeinde und die Aegidientor-Gartengemeinde zur Vorstadt, die als solche 1859 nach Hannover eingemeindet wurde.

Der Bau des Hauptbahnhofes in den Jahren 1845-1847 bedeutete zunächst einen Rückschritt in der städtebaulichen Entwicklung der Oststadt, weil sie durch die ebenerdig verlaufenden Gleise regelrecht von der Stadtmitte abgeschnitten wurde. Auch die Errichtung des Gerichtsgefängnisses im Jahr 1865 trug nicht unbedingt zur Förderung der Wohn- und Lebensqualität bei. Dies änderte sich aber schlagartig mit dem Neubau des Bahnhofes von 1877-1879, mit dem die Höherlegung der Bahnsteige und der Bau der bis heute existierenden Unterführungen zum Volgersweg, zur Alten Celler Heerstraße und zur Königsstraße einhergingen. Jetzt entstanden hinter dem Bahnhof zahlreiche öffentliche Gebäude, wie z.B. die Leibnizschule (1876-1878 auf dem jetzigen Pavillongelände erbaut), das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium (1879-1881 in der Leonhardtstraße erbaut), der Justizpalast (1879-1882 erbaut), das neue Justizgebäude (1907-1911 erbaut, als Altbau des Amtsgerichts bis heute am Volgersweg erhalten) und das Königliche Lehrerseminar (1879-1881 am Volgersweg erbaut).

Auch Hotels, wie das „Kronprinz“ und das „Hohenzollern“ und Ausflugslokale, wie das Tivoli siedelten sich in der Oststadt an. Ab etwa 1890 wurde für den hinter dem Hauptbahnhof gelegenen Teil der Vorstadt allmählich die Bezeichnung Oststadt gebräuchlich.

Hauptverkehrsstraße und Lebensader der Oststadt war die vom Bahnhof in nördliche Richtung verlaufende Alte Celler Heerstraße, die schon damals von zahlreichen Läden und Geschäften gesäumt war, in denen sich die Oststädter mit allen Gütern des täglichen Bedarfes eindecken konnten. Westlich der Alten Celler Heerstraße entstand ab 1850 ein Arbeiterviertel mit einfachen 4-5geschossigen Mietshäusern und für die hannoversche Bauschule typischen roten Backsteinfassaden. Östlich der Alten Celler Heerstraße wurden überwiegend gutbürgerliche Wohnhäuser für Kaufleute, Bankbeamte, Offiziere und andere Angehörige der gehobenen Mittelschicht gebaut. Teilweise wurden in Seitenstraßen oder als Hinterhausbebauung auch einfachere Miethäuser für Hausangestellte, Handwerksgesellen und kleinere Beamte geschaffen.

Als regelrechte Prachtstraßen wurden die Bödekerstraße, die Hohenzollernstraße und die Königsstraße geplant. Insbesondere an der Hohenzollernstraße entlang der Eilenriede entstanden großzügige Villen für hannoversche Unternehmerfamilien, Bankiers, Adelige und hochrangige Militärangehörige. 

Die Ortschaften Bütersworth und Ostwende gehörten ursprünglich zur Gemeinde der Gartenkirche, während Fernrode der Christuskirchengemeinde zugeordnet war. Die rasch steigende Einwohnerzzahl der Oststadt machte die Gründung eigener Pfarrbezirke erforderlich. Von 1880-1883 wurde an der Bödekerstraße die Dreifaltigkeitskirche im neugotischen Stil erbaut. Nur ein Jahr später wurde - vor allem für die in den Kasernen am Welfenplatz stationierten preußischen Militärangehörigen - die ebenfalls im neugotischen Stil errichtete Apostelkirche an der Gretchenstraße geweiht.

Der westliche Teil der Oststadt und der Bereich um den Raschplatz wurde im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. So findet sich heute in der Lisbeth-, Frida-, Kronen-, Haller-, oder Perlstraße nur noch wenig historische Bausubstanz. Einen weiteren tiefen Einschnitt bedeutete die Anlage des City-Rings mit Hamburger Allee und Raschplatzhochstraße Mitte der 1960er Jahre, der die Oststadt vom Raschplatz, dem Gerichtsviertel und einem großen Teil der Königsstraße abschnitt. Dieser früher zur Oststadt gehörende Bereich ist inzwischen dem Stadtteil Mitte zugeordnet.

In den 1970er Jahren veränderte sich das Erscheinungsbild der Oststadt durch den Bau der U-Bahnstrecke und die Umwandlung der Alten Celler Heersstraße in eine Fußgängerzone noch einmal erheblich. Im Laufe einer fünfjährigen Bauphase entstand eine Flaniermeile mit zahlreichen Geschäften, Cafes, Bars und Restaurants, die vom Hauptbahnhof kommend aus die Oststadt mit der List verbindet. 1972 erfolgte die Einweihung und die Umbenennung der Alten Celler Heerstraße in Lister Meile.

Im Jahr 2011 hat die Oststadt etwa 13.000 Einwohner; gemeinsam mit den Stadtteilen Mitte, Calenberger Neustadt und Zoo bildet sie den hannoverschen Stadtbezirk Mitte. Die Stadtteilgrenze der Oststadt verläuft im Westen und Norden mittig der Celler Straße und Wedekindstraße, im Osten entlang der Hohenzollernstraße und von dort über den Emmichplatz und die Kirchwender Straße als Südgrenze entlang der Raschplatzhochstraße und der Hamburger Allee zurück zur Celler Straße. 

Text:

Claudia Hörner

Quellen:

Kopmann, Detlef H.O. - Hannover-Oststadt. Zeitsprünge

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