Historische Ansichten aus Hannover List & Oststadt
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In campo ville list siti...

...heißt es in einer Urkunde aus dem Jahre 1304, die erstmals das Dorf List in der Nähe der Stadt Hannover erwähnt. Die Formulierung "Im Felde des Dorfes List gelegen" bezog sich auf ca. 12 Morgen Land, welche Otto, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, dem Heiliggeist-Hospital in Hannover schenkte. 

Über mehrere hundert Jahre war die List durch Landwirtschaft geprägt. Die Lister Feldmark, die von alteingesessenen Bauern bewirtschaftet wurde, erstreckte sich südlich der List bis zum Steintorfeld. Mehrere Straßen in der List, etwa die Biesterstraße, die Kollenrodtstraße, der Seegershof, der Trageweg, die Uelzestraße und die Wöhlerstraße erinnern noch durch ihre Bezeichnung an Bauernfamilien, die sich hier zum Teil bis ins 14. Jahrhundert nachweisen lassen. Die Bauernhäuser des Haufendorfes lagen in dem Viereck, das heute durch die Waldstraße, die Liebigstraße, die Höfestraße und die Wöhlerstraße gebildet wird. Später siedelten am Rande des Dorfes Kleinbauern, die über keine oder nur unbedeutende eigene landwirtschaftliche Flächen verfügten und nebenbei auch als Taglöhner, Lohnarbeiter oder Fuhrleute tätig waren. Zu ihnen gehörten u. a. die Familien Menge und Kothöfer, nach denen der Mengendamm und der Kothöferdamm benannt sind. Die Schule und das Lehrerhaus lagen in der Höfestraße. Eine eigene Kirche hatten die Lister damals allerdings nicht, sie gehörten zur Gemeinde der St. Marienkirche in Hainholz. 

Mit dem Bau der Eisenbahn und der wachsenden Industrialisierung setzte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Wandel ein. In der Feldmark, aber auch im alten Dorfgebiet der List siedelten sich Fabriken und Gewerbetreibende an, während sich gleichzeitig die Wohnbebauung von der Stadt Hannover aus in nördliche Richtung bis zum Dorf List ausbreitete. In der heutigen Körtingstraße befand sich die Körting AG, an der Podbielskistraße siedelten sich die Bahlsen Cakes Fabrik und die Pelikan Werke an. Und an der heutigen Liebigstraße (damals Fabrikstraße) lag die Chemische Fabrik List von Eugen de Haën. Etwa um die gleiche Zeit entstanden am Welfenplatz ein Exerzierplatz und mehrere Kasernengebäude für Infanterie und Artillerie und an der Dragonerstraße die Königliche Militärreitschule. Mit der Eingemeindung des Dorfes List in die Stadt Hannover im Jahr 1891 und dem damit einhergehenden Bauboom rückte die Wohnbebauung unaufhaltsam bis an den alten Dorfkern heran. Entlang der Hohenzollernstraße und der Walderseestraße entstanden prächtige Villen. In der Ferdinand-Wallbrecht-Straße und ihrer Umgebung, an der Bödekerstraße und in der Gegend um den Wedekindplatz wurden hingegen eher 4-5-geschossige Wohnhäuser im Gründerzeitstil mit repräsentativem Erkern, Balkonen, Türmchen und Putzfassaden errichtet. Teilweise finden sich hier auch Fassaden mit der typischen Ornamentik des Jugendstil, so z.B. am Moltkeplatz und in der Voßstraße. Diese Wohnungen wurden von Beamten, Offizieren, Kaufleuten und Handwerkern bewohnt. Weiter nördlich, z.B. am Lister Kirchweg und Am Listholze standen einfachere und billige Miethäuser für Arbeiter, Fuhrleute etc. Die rasch steigenden Einwohnerzahlen führten zum Bau der evangelischen Markuskirche und Matthäuskirche (auch Lister Kirche genannt) in den Jahren 1902-1906 und der katholischen St. Joseph-Kirche im Jahr 1912. 

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann, insbesondere entlang der Podbielskistraße, mehrere für die damalige Zeit fortschrittliche und zukunftsweisende Wohnhausanlagen gebaut. Hierzu zählen u.a. der Spannhagengarten (ab 1913), die Bebauung am De-Haën-Platz (1927-1928) im Stil der hannoverschen Bauschule, der Listhof (1927-1930) und die Grenzburg (1930).

Mit der Bevölkerung wuchs auch das Bedürfnis nach Ausflugszielen. Bereits 1898 war die Gastwirtschaft Lister Turm neu eröffnet worden. Ursprünglich hatte der 1387 als Teil der hannoverschen Landwehr erbaute Lister Turm - auch schon mit Schankwirtschaft - auf der heutigen Burckhardtstraße gestanden. Dieser Turm wurde um 1850 abgebrochen und ein an der heutigen Walderseestraße gelegenes Wirtshaus "Lister Turm" errichtet. Ab 1895 begannen dann die Planungen für den Bau des neuen Lister Turms, der heute neben einem Restaurant und Biergarten auch das Freizeitheim List beherbergt. Gleichzeitig wurde in der Eilenriede einer der ersten Spielplätze Hannovers eröffnet, der - mittlerweile unter dem Namen Wakitu - ebenfalls noch existiert. 1929 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lister Mühle, das Volksbad List eingeweiht. 

In den 1970er Jahren veränderte sich das Erscheinungsbild der List durch den Bau der U-Bahnstrecke und der Umwandlung des nördlichen Teils der Celler Straße in eine Fußgängerzone noch einmal erheblich. Anstelle des großen Verkehrsaufkommens auf der Celler Straße, die bis dahin die Verbindung zur Podbielskistraße und damit zur Hauptausfallstraße in Richtung Norden war, entstand im Laufe einer fünfjährigen Bauphase eine Flaniermeile mit zahlreichen Geschäften, Cafes, Bars und Restaurants, die vom Hauptbahnhof aus durch die Oststadt führend die List mit dem Stadtzentrum verbindet. 1975 war der nördliche Abschnitt der Lister Meile fertig gestellt.

Im Jahre 2011 ist die List einer der beiden Stadtteile des Stadtbezirkes Vahrenwald-List und hat etwa 43.000 Einwohner. Die Stadteilgrenze bildet im Norden der Mittellandkanal bis zum Eulenkamp im Osten. Von dort verläuft die Grenze zunächst ein kurzes Stück entlang der Podbielskistraße und dann entlang der Walderseestraße und der Hohenzollernstraße bis zur Wedekindstraße. Die Wedekindstraße und im weiteren Verlauf die Celler Straße bis zur Hamburger Allee bilden die südliche Grenze der List. Von der Hamburger Allee über die Raiffeisenstraße und die Isernhagenerstraße bis hoch zum Mittellandkanal verläuft die westliche Grenze der List. Genau genommen befinden sich damit weder der Lister Turm noch das Lister Bad in der List, sondern im Stadtteil Zoo bzw. in Vahrenheide.  Auch das frühere Wahrzeichen der List, die Lister Mühle, stand im heutigen Stadtteil Vahrenheide. Die Lister Meile hingegen liegt überwiegend im Stadtteil Oststadt, nämlich von der Raschplatzhochstraße bis zur Wedekindstraße. 

Text:

Claudia Hörner

Quellen:

Bohlius, Ernst / Leonhardt, Wolfgang, Die List - 700 Jahre Umschau aus Dorf- und Stadtgeschichte

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